Medien und Informatik verstehen

Datenstrukturen

Richard Conrardy

14.10.2026

  • MI.2.1: Die Schülerinnen und Schüler können Daten aus ihrer Umwelt darstellen, strukturieren und auswerten.
    • MI.2.1.f: erkennen und verwenden Baum- und Netzstrukturen.
    • MI.2.1.g: verstehen die Funktionsweise von fehlererkennenden und -korrigierenden Codes.
    • MI.2.1.h: können Dokumente so ablegen, dass auch andere sie wieder finden.
    • MI.2.1.i: können logische Operatoren verwenden (und, oder, nicht).
    • MI.2.1.j: können Daten in einer Datenbank strukturieren, erfassen, suchen und automatisiert auswerten.
    • MI.2.1.k: können Methoden zur Datenreplikation unterscheiden und anwenden (Backup, Synchronisation, Versionierung).

Pflanzendatenbank

Pflanzenprojekt

Eine Sek-I-Klasse dokumentiert Pflanzen im und um das Schulhaus.

Nach zwei Wochen: 400 Fotos, mehrere Tabellen, doppelte Einträge und IMG_3872.jpg.

Welche Probleme treten auf?

Sonnenblume als Symbol für das Pflanzenprojekt

Datenlebenszyklus

  1. erfassen
  2. strukturieren
  3. prüfen
  4. sichern
  5. versionieren

Dazu passt: in Datenbanken ablegen und abfragen

Datenbank-Auftrag

Daten zu jeder Pflanze

  • eindeutig erfassen
  • sinnvoll verknüpfen
  • zuverlässig wiederfinden

Welche Informationen muss die Datenbank speichern? Wie muss sie sie speichern?

Sonnenblume als Symbol für die Pflanzendatenbank

Erste Ordnung

Ordnen Sie die Probleme aus dem Pflanzenprojekt.

Erstellen Sie ein Diagramm wie Sie die Pflanzeninformationen systematisch abspeichern. Erfinden Sie ggf. relevante Informationen wie z.B. Personalverantwortung für die Bewässerung.

Strukturen

Ordnen ohne Vorgabe

Ordnen Sie Begriffe so, dass Beziehungen sichtbar werden:

Ficus · Zimmerpflanze · B301 · tropisch · Foto 17 · Gruppe 3 · viel Licht · neben Pflanze X

Vergleichen Sie anschliessend Ihre Darstellungen.

Baum

Schulhaus
├── Erdgeschoss
│   ├── Eingang
│   └── B012
└── Obergeschoss
    ├── B301
    └── Bibliothek

Begriffe: Wurzel, Knoten, Kante, Blatt, Pfad, Tiefe

Wann reicht ein Baum nicht?

Ficus ist gleichzeitig

  • tropisch
  • in B301
  • lichtbedürftig
  • von Gruppe 3 beobachtet

Baum als Symbol für hierarchische Strukturen

Eine Pflanze kann mehrere Beziehungen haben.

Netz

Frage Möglichkeit
Richtung? gerichtet / ungerichtet
Stärke? gewichtet / ungewichtet
Kreise? zyklisch / azyklisch
Verbindung? zusammenhängend / getrennt

Begriffe: Grad, Pfad, Distanz, Erreichbarkeit

Baum oder Netz?

Ordnen und begründen Sie:

  • Ordnerstruktur
  • Freundschaften
  • Busnetz
  • Website-Navigation
  • Nahrungskette
  • Schulorganigramm

Schule: Pflanzen vernetzen

Schüler:innen verbinden Pflanzenkarten mit Fäden:

  • Standort
  • Lichtmenge
  • Herkunft
  • beobachtende Gruppe
  • ähnliche Pflanze

Fragen: Welche Beziehungen sind gerichtet? Wo wäre ein Gewicht sinnvoll?

Datenmodell prüfen

Dieselben Pflanzendaten als Tabelle, Baum und Netzwerk darstellen.

Welche Beziehungen werden sichtbar?

Welche gehen verloren?

Baum in einer Tabelle

Schulhaus
└── Obergeschoss
    └── B301
        ├── Ficus
        └── Monstera
knoten_id eltern_id bezeichnung
1 Schulhaus
2 1 Obergeschoss
3 2 B301
4 3 Ficus
5 3 Monstera

Netzwerk in einer Tabelle

Ficus ── B301

viel Licht ── Monstera
Ficus Monstera B301 viel Licht
Ficus 0 0 1 1
Monstera 0 0 0 1
B301 1 0 0 0
viel Licht 1 1 0 0

Tabellen speichern Beziehungen

Baum: eltern_id verweist auf einen übergeordneten Knoten.

Netz: Eine 1 in der Adjazenzmatrix markiert eine Verbindung.

Prüfen und finden

Übertragung

10110110  →  10100110

           ein Bit kippt

Können wir den Fehler erkennen? Seine Position bestimmen? Den ursprünglichen Wert rekonstruieren?

Computer mit Fehler als Symbol für eine beschädigte Datenübertragung

Codes im Vergleich

Verfahren erkennen korrigieren
Paritätsbit eingeschränkt nein
Prüfsumme / Hash häufig nein
Wiederholungscode ja teilweise
Hamming-Code ja ja
Reed–Solomon ja ja

Zusätzliche Redundanz ermöglicht Fehlererkennung und teilweise -korrektur.

Menschliches Paritätsbit

Sieben Personen halten 0 oder 1, eine achte Person bildet die gerade Parität.

Danach dreht eine Person ihre Karte um.

Was erkennt die Gruppe? Welche Fehler bleiben unsichtbar?

Hamming-Distanz

\[d_H(101101, 100111) = 2\]

Die Hamming-Distanz zählt unterschiedliche Stellen.

Bei minimaler Codedistanz \(d\) lassen sich bis zu \(d-1\) Fehler erkennen und bis zu \(\left\lfloor\frac{d-1}{2}\right\rfloor\) korrigieren.

Gültige Codewörter

000000 · 001111 · 110011 · 111100

  1. Berechnen Sie die Abstände.
  2. Verändern Sie ein Bit.
  3. Ordnen Sie das beschädigte Wort dem wahrscheinlichsten Codewort zu.
  4. Wann wird die Zuordnung mehrdeutig?

Hash

\[h:\{0,1\}^* \rightarrow \{0,1\}^n\]

Pflanzenliste.csv  →  SHA-256  →  3fa0…c812

Eine kleine Änderung führt normalerweise zu einem stark veränderten Hashwert.

Geschützter Computer als Symbol für eine Integritätsprüfung

Hashes: wofür?

Integrität prüfen · Veränderungen erkennen · Signaturen unterstützen · Versionen vergleichen

Nicht: verschlüsseln · beschädigte Daten korrigieren · Urheberschaft allein beweisen

Eigenschaften guter Hashes

deterministisch · schnell berechenbar · schwer umkehrbar · kollisionsresistent

Avalanche-Effekt: Kleine Änderung, stark veränderter Hashwert

Hash-Detektiv:innen

Vergleichen Sie die Hashwerte von:

Ficus steht in B301.

Ficus steht in B301!

Was lässt sich daraus erkennen – und was nicht?

Schule: beschädigte Pflanzendaten

Pflanzenbeschreibung · Kontrollcode · veränderte Versionen

Welche Übertragungen sind vermutlich fehlerhaft?

Schule: QR-Code

Pflanzeninformation im QR-Code schrittweise abdecken.

Wann ist er noch lesbar? Wann erkennen wir einen Fehler? Wo findet Fehlerkorrektur statt?

Foto finden

IMG_2031.jpg · Pflanze.jpg · Pflanze_neu.jpg · Ficus_final2.jpg

Entwickeln Sie in fünf Minuten ein System, mit dem ein anderes Team ein bestimmtes Foto zuverlässig findet.

Ablage

  1. Ordnerstruktur
  2. Dateinamen
  3. Metadaten
  4. Zugriffs- und Bearbeitungsregeln

2026-08-04_B301_ficus-benjamina_gruppe-03_foto-02.jpg

Dokumente und Umschläge als Symbol für eine organisierte Ablage

Schule: Pflanzenarchiv

15 unsortierte Dateien: gemeinsame Regeln für Ordner, Namen, erlaubte Standorte, unbekannte Arten sowie Originale und Bearbeitungen.

Diskussion: Braucht es eine einzig richtige Struktur – oder eine gemeinsam verständliche?

Datenqualität sichern

Klare Namen · verbindliche Metadaten · nachvollziehbare Ordnerstruktur

Damit ein Team Pflanzenfotos und Dokumente zuverlässig findet.

Datenbanken und Kopien

Mengen im Raum

Wer gehört zur Ergebnismenge?

  • im Erdgeschoss
  • viel Licht
  • Erdgeschoss und viel Licht
  • viel Licht oder hohe Feuchtigkeit
  • nicht im Erdgeschoss

Logik

\[A \land B \qquad A \lor B \qquad \neg A\]

Das logische ODER ist normalerweise inklusiv.

tropisch OR gross AND B301
(tropisch OR gross) AND B301

Von Tabelle zu Datenbank

Pflanze Raum verantwortliche Person E-Mail Art
Ficus B301 Ficus benjamina

Wiederholungen · widersprüchliche Schreibweisen · Änderungsanomalien · keine eindeutigen IDs

Relationales Modell

PFLANZE(pflanze_id, art_id, standort_id)
ART(art_id, deutscher_name, wissenschaftlicher_name)
STANDORT(standort_id, gebaeude, raum)
BEOBACHTUNG(beobachtung_id, pflanze_id, datum, gruppe_id)

Entität · Attribut · Primärschlüssel · Fremdschlüssel · Beziehung

Datenbank mit Karten

Verteilen Sie eine grosse Pflanzentabelle auf Karten für Pflanzen, Arten, Standorte und Beobachtungen.

  1. Welche Information darf nur einmal gespeichert werden?
  2. Welche ID verbindet die Karten?
  3. Welche Beziehung ist 1:n, welche n:m?

Von Logik zu SQL

SELECT art.deutscher_name, standort.raum
FROM pflanze
JOIN art ON pflanze.art_id = art.art_id
JOIN standort ON pflanze.standort_id = standort.standort_id
WHERE standort.stockwerk = 'Obergeschoss'
  AND NOT art.lichtbedarf = 'hoch';

Schule: Lebendige Suchmaschine

Jede Person übernimmt eine Pflanze mit festen Eigenschaften.

Abfrage: tropisch · Obergeschoss · nicht viel Licht

Die passenden «Datensätze» treten nach vorne.

Start: SQL Island

Öffnen Sie SQL Island.

Beginnen Sie mit den ersten Aufgaben, notieren Sie eine gelöste Abfrage und markieren Sie Tabelle, Spalte und Bedingung.

Schule: Pflanzen-Datenbank

Beobachten → erfassen → Kategorien vereinheitlichen → Tabellen trennen → Abfragen → Ergebnisse prüfen

Fragen: Wo stehen die meisten Pflanzen? Welche Art wurde mehrfach erfasst? Was wurde lange nicht kontrolliert?

Datenmodell kontrollieren

Jede Pflanze, Art, jeder Standort und jede Beobachtung erhält eine eindeutige ID.

Welche IDs verbinden die Tabellen? Wo würde eine doppelte Speicherung zu Fehlern führen?

Cloud oder Backup?

Eine Schülerin löscht den Pflanzenordner. Er wird mit einer Cloud synchronisiert.

Existiert die Datei noch? Ist die Cloudkopie ein Backup? Was wäre für eine Wiederherstellung nötig?

Cloud als Symbol für synchronisierte Dateien

Drei Verfahren

Verfahren Zweck
Synchronisation Arbeitsstände angleichen
Backup verlorene Daten wiederherstellen
Versionierung Änderungen nachvollziehen und zurücknehmen

Szenarien zuordnen

Zwei Gruppen bearbeiten gleichzeitig eine Tabelle. Eine Datei wird gelöscht. Eine falsche Art wird nach drei Wochen entdeckt. Ein Tablet geht verloren. Schadsoftware verändert alles.

Welche Verfahren sind nötig? Mehrere Antworten können richtig sein.

3–2–1

3 Kopien · 2 unterschiedliche Medien · 1 Kopie an einem anderen Ort

Ein Backup ist erst brauchbar, wenn die Wiederherstellung getestet wurde.

Schule: Gerätekarten

Tablet · Schulserver · Cloud · externe Sicherung · Versionsgeschichte

Datei ändern → synchronisieren → löschen → alte Version wiederherstellen → Gerät fällt aus

Datenbank sichern

Welche Kopie schützt vor Verlust? Welche hält Arbeitsstände gleich? Welche bewahrt die Geschichte einer Änderung?

Datenbank-Plan

Planen Sie die Pflanzendatenbank.

Daten: Tabellen · Felder · IDs · Beziehungen

Arbeitsweise: Ablage · Qualitätsprüfung · Backup · Versionierung

Dokumente als Symbol für einen Plan der Pflanzendatenbank

Zum Schluss

Welche Regeln braucht unsere Pflanzendatenbank, damit sie auch in einem Jahr noch nützt?

Rechtliches

Urheberrecht

Literatur