Medien und Informatik verstehen

Hardware und Verschlüsselung

Richard Conrardy

04.11.2026

  • MI.2.3: Die Schülerinnen und Schüler verstehen Aufbau und Funktionsweise von informationsverarbeitenden Systemen und können Konzepte der sicheren Datenverarbeitung anwenden.
    • MI.2.3.i: verstehen die grundsätzliche Funktionsweise von Suchmaschinen.
    • MI.2.3.j: können lokale Geräte, lokales Netzwerk und das Internet als Speicherorte für private und öffentliche Daten unterscheiden.
    • MI.2.3.k: haben eine Vorstellung von den Leistungseinheiten informationsverarbeitender Systeme und können deren Relevanz für konkrete Anwendungen einschätzen (z.B. Speicherkapazität, Bildauflösung, Rechenkapazität, Datenübertragungsrate).
    • MI.2.3.l: kennen die wesentlichen Eingabe-, Verarbeitungs- und Ausgabeelemente von Informatiksystemen und können diese mit den entsprechenden Funktionen von Lebewesen vergleichen (Sensor, Prozessor, Aktor und Speicher).
    • MI.2.3.m: können das Internet als Infrastruktur von seinen Diensten unterscheiden (z.B. WWW, E-Mail, Internettelefonie, soziale Netzwerke).
    • MI.2.3.n: können die Risiken unverschlüsselter Datenübermittlung und -speicherung abschätzen.

Informationsverarbeitung

Input - Output (IO)



Eingabe Verarbeitung Speicherung Ausgabe
Informatiksystem Sensor Prozessor Speicher Aktor

Übungsaufgabe 1 (Input-Output) Halten Sie das menschliche Pendant zu den Computerkomponenten fest.


Eingabe Verarbeitung Speicherung Ausgabe
Informatiksystem Sensor Prozessor Speicher Aktor
Mensch

Ein Beispiel

Was passiert, wenn ich ein Photo mit einem Smartphone nehme?

Kamera → Prozessor → Speicher → Bildschirm → Netzwerk

Fachwörter

Computer sind voll mit Komponenten. Geben Sie Beispiele von Hardware.

  • Eingabe
  • Verarbeitung
  • Speicherung
  • Ausgabe
  • Verbindung

Hands-on

Übungsaufgabe 2 (Hardware erkunden)  

Arbeiten Sie an den Computern.

Welche Komponenten finden Sie?

Welche Masseinheiten sind relevant für diese Komponenten?

Desktop-Computer als Untersuchungsobjekt

Leistungseinheiten richtig einordnen

  • Bit / Byte: 8 Bit = 1 Byte
  • Speicher: KB, MB, GB, TB, PB, EB1
  • Bild: Pixel und Auflösung
  • Rechnen: Taktfrequenz, Kerne
  • Übertragung: Bit/s, Mbit/s

Übungsaufgabe 3 (Video über Ethernet) Sie möchten ein Video über ein Ethernetkabel streamen und speichern.

Welche Informationen brauchen Sie um zu entscheiden ob das möglich ist?

Wie viel Speicherplatz benötigen Sie?

Hinweis: Datenkomprimierung und Protokolloverhead können ignoriert werden.

Datenorte und Internet

Wo liegen Daten?

Speicherort Beispiel
Gerät Laptop, Smartphone
Schulnetz Server, NAS
Cloud/Webdienst Plattform, Onlinespeicher

Mehrere Personen bei der Arbeit mit entfernten digitalen Ressourcen

Knobelaufgabe

Übungsaufgabe 4 (Ausfallsicher speichern) Sie haben sechs Festplatten mit je 8 TB und möchten Daten auch dann behalten, wenn eine beliebige Festplatte ausfällt.

Können Sie die Daten effizienter speichern als alles zu doppeln und nur 24 TB an nutzbarem Speicher zu haben?

RAID 5

RAID 5 mit verteilten Daten- und Paritätsblöcken

Abbildung 1: RAID 5: verteilte Daten- und Paritätsblöcke auf vier Platten — Cburnett, CC BY-SA 3.0

Übungsaufgabe 5 (Routing)  

Wie gelangt eine Anfrage von Ihrem Laptop über das Eduroam-Netzwerk zu einem Server in Amerika?

Beginnen Sie beim Laptop und enden Sie beim Server. Verwenden Sie Fachbegriffe für Geräte, Leitungen und Netze.

Materialien: Switch Netzwerk (Backup), Karte mit Unterseekabel (Backup)

Mehrere Personen arbeiten vernetzt

Übungsaufgabe 6 (Dijkstra’s shortest-path theorem)  

Markieren Sie im Switch-Netzwerkbild (PDF) den kürzesten Weg von Bern zur UniSG.

Gewichteter Graph
Abbildung 2: gewichteter Graph — BagLuke, CC0 1.0

Traceroute

Geben Sie im Terminal für eine beliebige Webseite einen der folgenden Befehle ein und beobachten Sie, wie viele Hops die Anfrage macht:

Windows

tracert example.com

macOS/Linux

traceroute -I example.com

UDP vs. TCP

Ground-Handling-Mitarbeiter im Einsatz

Ground-Handling-Mitarbeiterin im Einsatz

Übungsaufgabe 7 (Internetdienste) Nennen Sie zu jedem Dienst entweder typische Beispiele, Inhalte oder Protokolle.

  • World Wide Web
  • E-Mail
  • Dateiübertragung
  • Kommunikation
  • Streaming
  • Cloud-Dienste
  • Online-Spiele
  • Fernzugriff
  • Namens- und Verzeichnisdienste

Ebene Beispiele
Infrastruktur Kabel, Router, Rechenzentren
Netzwerkprotokolle IP, TCP, UDP, DNS, TLS
Internetdienste Web, E-Mail, Streaming, Cloud, Gaming
Inhalte HTML, Videos, Dateien, Nachrichten

Das Internet ist die Infrastruktur.

Protokolle regeln die Kommunikation.

Dienste nutzen diese Protokolle.

Inhalte werden über die Dienste übertragen.

Suchmaschinen verstehen

  1. Crawling
  2. Index
  3. Suchanfrage
  4. Sortierung
  5. Darstellung

Übungsaufgabe 8 (Räuber und Gendarme) Teilen Sie sich in drei Gruppe ein.

Red Team: Sie möchten ihre Webseite mit allen Mitteln weit oben in der Suchmaschine ranken obwohl ihr Produkt nicht so gut ist.

Blue Team: Sie arbeiten für den Suchmaschinenbetreiber. Legen Sie eine möglichst nützliche Rankingmethode fest.

White Team: Sie betreiben eine Webseite und verkaufen ein populäres Produkt. Bestimmen Sie eine preiswerte Marketingstrategie in Bezug auf Suchmaschinen

Verschlüsselung

Caesar-Verfahren

Beim Caesar-Verfahren wird jeder Buchstabe im Alphabet um eine feste Anzahl Stellen verschoben.

Klartext H A L L O
Schlüssel: +3 K D O O R

Begriff Bedeutung
Klartext lesbare ursprüngliche Nachricht
Schlüssel geheime Information, die das Verfahren steuert; hier die Verschiebung +3
Chiffretext verschlüsselte, zunächst unlesbare Nachricht
Verschlüsselung Klartext wird mit dem Schlüssel in Chiffretext umgewandelt
Entschlüsselung Chiffretext wird mit dem Schlüssel zurück in Klartext umgewandelt

Vigenère-Verfahren

Nicht jeder Buchstabe wird gleich verschoben: Der Schlüssel ist ein Wort.

Klartext H A L L O
Schlüssel CODE C O D E C
Chiffretext J O O P Q

AES

Ein AES-Block umfasst 128 Bit = 16 Byte.

\[ P_i = \begin{bmatrix} p_0 & p_4 & p_8 & p_{12} \\ p_1 & p_5 & p_9 & p_{13} \\ p_2 & p_6 & p_{10} & p_{14} \\ p_3 & p_7 & p_{11} & p_{15} \end{bmatrix} \]

\[ C_i = \operatorname{AES}_{K}\left(P_i \oplus C_{i-1}\right) \]

\[ \underbrace{P_i}_{\text{aktueller Klartextblock}} \;\oplus\; \underbrace{C_{i-1}}_{\text{vorheriger Geheimtextblock}} \;\longrightarrow\; \boxed{\operatorname{AES}_{K}} \;\longrightarrow\; \underbrace{C_i}_{\text{neuer Geheimtextblock}} \]

  • (K): geheimer AES-Schlüssel, bleibt für alle Blöcke gleich
  • (C_{i-1}): kein Schlüssel, sondern Teil der CBC-Verkettung
  • Beim ersten Block ersetzt ein Initialisierungsvektor (IV) den Vorgänger:

\[ C_1 = \operatorname{AES}_{K}(P_1 \oplus IV) \]

Symmetrische Tücken

Häufigkeiten

\[ P(E) > P(Q) \]

Bei einfachen Ersetzungen bleibt ein häufiger Buchstabe auch im Geheimtext häufig.

Wiederholungen

\[ P_i = P_j \quad \Longrightarrow \quad C_i = C_j \]

Werden gleiche Blöcke immer gleich verschlüsselt, bleiben Strukturen und Wiederholungen sichtbar.

Kleine Änderungen

\[ P' = P \oplus 1 \]

Ein einzelnes geändertes Bit sollte nicht nur ein einzelnes Bit im Geheimtext verändern.

Konfusion

\[ \text{SubBytes} \]

Der Zusammenhang zwischen Klartext, Schlüssel und Geheimtext wird nichtlinear und schwer vorhersagbar.

Diffusion

\[ \text{ShiftRows} + \text{MixColumns} \]

Die Information eines Bytes wird über den gesamten Block verteilt.

Avalanche-Effekt

\[ \Delta P = 1\text{ Bit} \quad \Longrightarrow \quad \Delta C \approx 64\text{ Bit} \]

Eine minimale Änderung erzeugt einen stark veränderten Geheimtext.

Übungsaufgabe 9 (Asymmetrische Verschlüsselung)  

Alice und Bob kennen sich nicht, möchten jedoch eine geheime Nachrichten austauschen. Eve kann jedoch alles mithören. Wie können Alice und Bob vorgehen um nachher einen gemeinsamen Geheimschlüssel zu haben, den Eve nicht kennt?

Vorhängeschloss als Symbol für Verschlüsselung

Darstellung des Diffie-Hellman-Schlüsselaustauschs

Abbildung 3: Grundidee des Diffie-Hellman-Schlüsselaustauschs — A. J. Han Vinck (Originalschema), Flugaal (SVG) und Chillvie (deutsche Übersetzung), gemeinfrei

Mathematische Darstellung des Diffie-Hellman-Schlüsselaustauschs

Abbildung 4: Diffie-Hellman-Schlüsselaustausch: öffentliche Parameter (p, g), private Schlüssel (a, b) und öffentliche Schlüssel (A, B) — DaMutz, CC BY-SA 4.0

Schutzziele der Informationssicherheit

Schutzziel Bedeutung
Vertraulichkeit Nur berechtigte Personen dürfen Daten lesen.
Integrität Daten dürfen nicht unbemerkt verändert werden.
Verfügbarkeit Daten und Systeme müssen bei Bedarf erreichbar und nutzbar sein.

CIA-Dreieck: Confidentiality · Integrity · Availability

Beitrag Schutzziel
Verschlüsselung Vertraulichkeit
Hash und digitale Signatur Integrität
Backups, Redundanz und Schutz vor Ausfällen Verfügbarkeit

Risiken unverschlüsselter Daten

Risiko Fehlendes Schutzziel
Mitlesen Vertraulichkeit verletzt
Verändern Integrität verletzt
Vortäuschen Authentizität nicht gesichert

Rechtliches

Urheberrecht

Literatur